Therapeutische Ansätze

 

Um Sie über meine Arbeitsweise zu informieren sollen zwei therapeutische Methoden kurz dargestellt werden, die als die Schwerpunkte meiner therapeutischen Arbeit zu sehen sind:

 

Gesprächspsychotherapie: Der Personzentrierte Ansatz

Der Personzentrierte Ansatz wurde von dem amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers (1902-1987) aus seiner psychotherapeutischen und pädagogischen Arbeit mit Erwachsenen und Kindern entwickelt: Im Mittelpunkt von Psychotherapie und Beratung steht die Person - nicht das Problem. Menschen erfahren und lernen in Psychotherapie oder Beratung, ihre verborgenen Fähigkeiten zu entwickeln und eigenständig Lösungen für ihre Probleme zu finden.

Auf der Grundlage des Personzentrierten Ansatzes entstanden mittlerweile national und international verbreitete Psychotherapie- und Beratungsmethoden. Für das Psychotherapieverfahren ist in Deutschland der Name "Gesprächspsychotherapie" bzw. "Klientenzentrierte Psychotherapie" gebräuchlich.
Gesprächspsychotherapie wird an 28 von 37 psychologischen Instituten deutscher Universitäten (75 %) gelehrt, erforscht und weiterentwickelt. Darüber hinaus ist der Personzentrierte Ansatz in zahlreichen anderen Fachbereichen der Hochschulen und Fachhochschulen vertreten.

Grundlagen der Methode von Carl R. Rogers sind systematische Beobachtungen und Erkenntnisse aus professionellen Beziehungen in Psychotherapie und Beratung, die sich als hilfreich erwiesen haben. Entscheidend dafür sind drei sogenannte "Variablen":
Die Therapeutin / der Therapeut bzw. die Beraterin / der Berater begegnen der Klientin / dem Klienten

- mit positiver Wertschätzung und Achtung

- vorurteilsfrei und versteht ihn aus dessen Lebenszusammenhängen

- ohne Fassade und Experten-Attitüde. Die Therapeutin / der Therapeut ist der Klientin / dem Klienten als konkrete Person erfahrbar.

Eine so gestaltete Beziehung ermöglicht es der Klientin / dem Klienten, sich selbst besser zu verstehen und zu akzeptieren. Die "Kraft der Beziehung" (Rogers) hat zentrale Bedeutung. Das Entstehen einer förderlichen Beziehung ist für den Erfolg psychotherapeutischer Arbeit und Beratung entscheidend. Es schafft die Grundlagen, dass Menschen Wachstumskräfte entfalten und Probleme (Symptome) besser bewältigen können.

Rogers gilt als Pionier der wissenschaftlichen Psychotherapieforschung. Zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern konnte er seine Erfahrungen durch zielgerichtete Untersuchungen wissenschaftlich bestätigen. Rogers entwickelte in den vierziger Jahren seine Theorie zu der "Client Centered Therapy and Counseling", einem effektiven und kostengünstigen Therapie- und Beratungsverfahren. Der Hamburger Psychologe Reinhard Tausch führte das Verfahren als "Gesprächspsychotherapie" in der BRD ein. Die Gesprächspsychotherapie zählt mit der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie zu den klassischen Psychotherapieverfahren. Sie ist besonders umfassend beforscht und dadurch als wirksames psychotherapeutisches Verfahren ausgewiesen.

Über das Therapiekonzept hinaus haben die Gedanken und Konzepte von Rogers grundsätzliche Bedeutung für alle zwischenmenschlichen Beziehungen. Entsprechend fanden seine Ideen und Erkenntnisse Eingang in die beratende und in die pädagogische Arbeit. Der Personzentrierte Ansatz bildet eine Grundlage für alle psychosozialen Tätigkeitsfelder (z. B soziale Arbeit, Erziehung, Gesundheitswesen, Telefonseelsorge ...). Auch für Wirtschaft und Politik wird der Ansatz immer bedeutsamer.

Die deutsche Pädagogik wurde insbesondere von dem Rogers-Schüler Thomas Gordon beeinflusst. Seine Bücher "Familienkonferenz" und "Lehrer-Schüler-Konferenz" gehören zu den Standard-Werken für den gesamten Bereich Erziehung.

Ganz generell geht der Personzentrierte Ansatz weit über die oben aufgezählten Anwendungsfelder hinaus. Er ist mit seinen klaren Forderungen, wie zwischenmenschliche Beziehungen gestaltet werden sollten, eine umfassende kulturelle und politische Botschaft.
(Auszug aus der homepage der GwG e.V. [Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie e.V.]: www.gwg-ev.org)

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Zur Erklärung der Tiefenpsychologie:

Was ist tiefenpsycholgisch fundierte Psychotherapie?

Tiefenpsychologie wird zumeist gleichbedeutend mit Psychoanalyse gebraucht, d.h. man könnte auch von psychoanalytisch orientierter Psychotherapie sprechen. Ist tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie also gleich Psychoanalyse? Nein, die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundiertePsychotherapie beziehen sich zwar auf einen gemeinsamen theoretischen Hintergrund, nämlich die von Sigmund Freud entwickelte Psychoanalyse(-theorie), unterscheiden sich aber in Form, Dauer und Ziel derBehandlung. Etliche der von Freud in seinen Schriften beschriebenen Therapien richteten sich übrigens auch keineswegs nach den heute als klassisch geltenden Regeln der Psychoanalyse sondern müssten nach heutigen Maßstäben als tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie gelten.

Die Psychoanalyse zielt auf Behandlung und womöglich Veränderung der gesamtenPersönlichkeit, findet (meistens) im Liegen auf der schon sprichwörtlichen Couch statt und dauert mehrere Jahre bei mehreren Behandlungsterminen proWoche. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hingegen dauert in der Regel zwischen 1/2 und 2 Jahren mit einer Sitzung pro Woche und im Sitzen;das Ziel ist die Bearbeitung umschriebener Konflikte wie z. B. bei einer Depression häufig die Thematik Abgrenzung und Durchsetzung eigener
Bedürfnisse. Für den Zweck dieser ganz kurzen Einführung möchte ich als wichtige Kennzeichen der psychoanalytischen Theorie drei Begriffe nennen:

  1. Das Unbewusste: Die Psychoanalyse geht davon aus, dass es neben dem uns durch bewusste Anstrengungen zugänglichen Teil unserer Seele auch Teile gibt, die uns nicht bewusst sind, die aber dennoch wirksam sind und Einfluss auf unser inneres Erleben und unser äußeres Handeln haben. Die Behandlung zielt darauf ab, einen Teil dieses Unbewussten erkennbar zu machen, um dem
    Patienten eine bessere Erkenntnis und Befriedigung seiner Bedürfnisse zu ermöglichen.
  2. Die Übertragung: Eine bestimmte und Art und Weise der Kontaktaufnahme zu anderen Menschen und deren Bewertung ist typisch für jeden von uns. Wir entwickeln in unserer Kindheit "Beziehungsmuster" durch die Auseinandersetzung mit unseren Eltern und/oder anderen wichtigen Bezugspersonen und neigen dazu, Beziehungen, die wir in unserem späteren Leben zu weiteren Menschen aufnehmen, nach den gleichen Mustern zu organisieren. Auch die Beziehung zu Psychotherapeuten wird unbewusst so
    gestaltet, wie wir es schon immer gemacht haben. In der Therapie wird versucht, diese Muster zu erkennen und bewusst zu machen, um eine größere Variationsbreite des Verhaltens zu ermöglichen und zu verhindern, dass man immer wieder die gleichen Fehler macht. In der Psychoanalyse ist die Übertragung das wichtigste Mittel der Behandlung. In der tiefenpsychologisch fundierten Therapie wird sie beachtet und womöglich genutzt, ist aber nicht das einzige, meist nicht mal das wichtigste Mittel der Behandlung.
  3. Zweizeitige Entwicklung der Störung: Ein bestimmtes Verhaltensmuster, das in der Kindheit entwickelt wird, macht zu diesem Zeitpunkt Sinn und wird ins Verhaltensmuster einer Person aufgenommen. Mit diesem Verhalten kommt der Mensch recht gut durchs Leben bis er auf eine Situation trifft, wo er dieses Verhalten zwar wieder anwendet, es aber unpassend ist und deshalb Schwierigkeiten verursacht. Aufgrund von bestimmten psychischen Gesetzmäßigkeiten kann es aber nicht so ohne weiteres abgelegt werden und es kommt plötzlich oder allmählich zur Entwicklung von Krankheitssymptomen, weil das angestrebte Ziel des Verhaltens nicht erreicht werden kann. Die
    Wurzel des Verhaltensmusters liegt also in der Kindheit, der krankmachende Effekt hingegen in der Gegenwart. Die Therapie zielt darauf ab, diesen Zusammenhang bewusst zu machen, damit ein besser passendes Verhalten entwickelt werden kann.

[©1999 by Martin Mikoleit, Bielefeld, eMail: martin.mikoleit@psychotherapie.org]

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